Als ich meinen Schmerz auf den Acker der Geduld pflanzte, brachte er die Frucht des Glücks hervor.



Erste Erkenntnisse


Bei der Übernahme von Jamie erfuhre ich schon einige Dinge. Dass sie mißhandelt und von einer Nachbarin freigekauft wurde.Ich bekam auch die Röntgenbilder, sowie die Untersuchungsberichte mit. Daraus ersichtlich war vorerst:

  • 8 gebrochene Rippen
  • Radiusfraktur rechtes Bein (Bruch der Speiche)
  • Karpalgelenkfraktur rechtes Bein
  • instabiles Karpalgelenk linkes Bein
  • Keratitis
  • Rachitis


  • Sie wog knappe 16kg bei einer Größe von 48cm.

    In Berlin ließen wir im Oktober 2005 noch die Augen untersuchen und folgende Erkrankungen wurden vorerst festgestellt:
    -Keratitis
    -Chorioditis
    -Buphtalmus
    -Retinaatrophie
    -Uveitis

    Die Bedeutung findet Ihr auf der Seite Augenerkrankungen.

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    Die erste Zeit mit uns


    Mein erstes Ziel war, Jamie zu vermitteln dass ihr nie wieder etwas geschehen wird. Sie hier sicher ist, ihr ganzes Leben noch vor sich hat, ihr beizustehen die Vergangenheit zu verarbeiten und ihr das Laufen beizubringen. Jamie war, als sie zu mir kam, nicht in der Lage für länger als 5 Sekunden stehen zu bleiben. Laufen konnte sie anfangs nur 5 Minuten am Stück, dann war Pause fällig. Ihre Hüfte war zur linken Seite hin eingedreht und leicht weggeknickt, sie lief total schief. Wir gingen viel schwimmen um die Muskulatur, die damals gar nicht vorhanden war, auszubilden. Nach 2 Wochen erkannte man auch eine leichte Muskelbildung. Alles in allem war sie extrem schlacksig und weich in der Bewegung, aber dennoch extrem flink. Sie war damals 41cm groß und wog knappe 16 kg. Das TH hatte sie schon gut gepäppelt, da sie dort mit 7kg Untergewicht ankam. Mit Jamie´s Einzug hier ließ ich die Haustüre immer offen, damit sie so oft wie möglich frische Luft und Sonne bekam. So versuchte ich die Rachitis zu bekämpfen. Dazu bekam sie noch Vitamine in Form von frischem Obst und Gemüse und Nahrungszusätzen. Jamie bekommt, genau wie meine Jungs, Ernährung mit BARF.

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    Urlaub oder nicht?


    Drei Wochen nach Jamie´s Einzug fuhren wir nach Frankreich in den Urlaub. Ich hattn kurzfristig überlegt den Urlaub abzusagen. Die Frage war, ist das für Jamie zu viel? Die lange Fahrt, die fremde Umgebung, raus aus ihrem gewohnten Tagesablauf. Doch trotz ihrer schweren Vergangenheit war und ist Jamie ein Hund der nie aufgibt, immer Action sucht und mittendrin sein will. So fuhre ich im Mai für 2 Wochen in die Normandie. Es war die richtige Entscheidung. Sowohl während der langen Fahrt und der fremden Umgebung, war Jamie kaum zu bremsen. Sie legte einen unglaublichen Tatendrang an den Tag. Lag stundenlang in der Sonne und schwamm im Meer wie ein Fisch. Selbst vor den Wellen hatte sie keine Angst, auch nicht wenn diese über ihr zusammen brachen. Sie fing an mit einem Ball zu spielen und täglich tobte sie mit Aaron durch den Garten des Ferienhauses.

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    Termin in der Tierklinik


    Aus dem Urlaub zurück fuhrn ich am nächsten Tag mit ihr zu unserem TA um einen Termin in Duisburg zu vereinbaren. Ich wollte Jamie nochmal komplett durchröntgen lassen. Ihr schlechter Gang hatte sich im Urlaub zwar verbessert, aber mit ihrer Hüfte konnte was nicht stimmen. Diese war zwar jetzt nicht mehr eingeknickt, aber sie trat mit dem linken Hinterbein kaum auf. Am 16.Juni bekamen wir einen Termin in Duisburg und das war der Tag an dem ich mir schwor nicht locker zu lassen bis ich alles über Jamie´s Vergangenheit erfuhr. In Duisburg stellte man zu der bereits vorhandenen Diganose fest:

  • Dammbeinbruch auf der rechten Hüftseite, dadurch ist die Hüfte leicht nach innen gedrückt
  • linke Seite, Oberschenkelhalskopf gebrochen und ausgekugelt


  • Hier die Fotos der Röntgenaufnahmen. Stark verkleinert, wegen der Ladezeit.

    Ellbogen:
    Hüfte:

    Laut Aussage der TÄ dort war es unmöglich dass Jamie überhaupt laufen kann. Mit diesen schlimmen Verletzungen und dem krüppeligen Vorderbein, undenkbar. Als ich ihr erzählte dass Jamie wie irre tobt und ins Wasser springt und Pirouetten vollzieht, schüttelte sie nur ungläubig den Kopf. Genauso ungläubig wie ich bei dem Ergebnis der Röntgenuntersuchung. Ich war einfach nur fassungslos. Besonders über die Tatsache dass diese Verletzungen alle unterschiedlich alt sind. Bis dato dachte ich immer noch, eigentlich kann sie nur einen Autounfall gehabt haben. Doch Abgründe von menschlicher Seele haben sich an Jamie ausgelassen und sie zum Krüppel gemacht.

    Ich fuhr zwei Tage später zu unserem TA und besprach das weitere Vorgehen. Jamie sollte an der linken Hüfte operiert werden. Der gebrochene Oberschenkelhalskopf musste raus. Ich bekame für den 23.8.2005 einen Termin zur Femurkopfresektion. Der verheilte Dammbeinbruch auf der rechten Seite konnte so bleiben. Es behindert sie nicht beim laufen und solange sie normal Kot absetzen kann ist eine OP unnötig. Wir sprachen auch über Schmerzmittel, denn Jamie muss höllische Schmerzen haben. Man riet mir ab, aus dem Grund, dass Jamie diese Schmerzen "bewußt" gar nicht mehr wahr nimmt. Ihr Pegel ist durch die monatelange Dauermißhandlung und den damit verbundenen Schmerzen so hoch, dass sie gar nicht mehr aufnahmefähig ist. Sie erklärte mir auch wie das mit den Nerven und den Schmerzleitern zusammen hängt, aber das würde hier zu weit führen. Fakt war, dass Jamie auf die Schmerzmittel gar nicht mehr angesprochen hätte. Diese Diganose erklärte auch viel von Jamie´s Verhalten. Ein Beispiel: Ich hatte versucht ihr beizubringen mir den Ball nach dem schwimmen zu bringen. Doch jedesmal ließ sie ihn fallen wenn sie aus dem Wasser kam. Ich habe alles versucht, mit locken, mit Ball ranziehen und jeden Schritt in meine Richtung belohnen, bis zm völligen ignorieren wenn sie den Ball fallen ließ. Ihre Antwort war immer dieselbe. Sie stand da und jankte rum. Janken weil ich den Ball nicht holte und ins Wasser warf. Sie steigerte sich regelrecht darein bis zum lauten rumkreischen. Sie nahm kein Wort von mir war. Genau wie bei ihrer Umwelt. Sie lief die Wege und roch in Rekordtempo alles ab. Sie blieb nie irgendwo hängen um "Zeitung" zu lesen. Sie stand im Prinzip unter Dauerstrom. Dennoch, mit der Diagnose im Gedächtnis versuchte ich Jamie zu schonen. Sie nicht viel laufen zu lassen. Jamie reagierte darauf mit Tyrannei ohne Ende und war sehr unausgeglichen. Sie fing an Dinge zu zerstören und ich versuchte sie kopfmäßig auszulasten. Ein Ding der Unmöglichkeit bei einem Hund der nichts wirklich wahr nimmt. So nahm ich sie wieder mit auf die Ausflüge, welche sich dann nur aufs schwimmen beschränkten. 5 Minunten durfte sie laufen, dann habe ich sie getragen. Sie biß mir zwar ins Ohr und knabberte an meine Haaren, strampelte auch, aber ich sagte mir immer wieder lass sie nicht laufen. Jamie wollte es anders, es waren harte Wochen. Mir tat jeder Schritt den sie vollzog weh bis aufs Mark. Beim schwimmen im klaren Wasser konnte man dann genau sehen dass Jamie das linke Hinterbein gar nicht benutzte. Die ganze Hoffnung lag in der anstehenden OP.