Verstehen heißt: mit dem Herzen hellsehen. (Victor Hugo)




Aaron


Ein Hund der mich lehrte Hund zu sein


Aaron ließ ich von Anfang an ohne Leine laufen und nutzte somit den Folgetrieb des Welpen für mich aus. Ein Rucksack wurde umfunktioniert um Aaron darin zu tragen. Somit konnte er an allen Gassigängen teilnehmen. Zwischendurch setzte ich ihn immer wieder raus, wenn andere Hunde kamen oder wir Rast machten.

Ich übte von Anfang an mit ihm. Wichtig war mir nur eins, das er kommt wenn ich rufe. Sitz und Platz waren eher beiläufige Übungen. Aaron war von Anfang an ein sehr anhänglicher Hund. Ihm war wichtig wo ich war und was ich gerade tat. An Kimba orientierte er sich kaum.

Mit 7 Monaten war Aaron schon größer als Kimba, die pubertäre Phase sezte ein. Und die "Probleme" fingen an. Aaron zeigte einen extremen Schutztrieb. Dieser richtete sich gegen andere Hunde und Männer in Bezug auf meine Person. Der Hund der sich sonst von jedem anfassen ließ, verbellte plötzlich Männer und drängte andere Hunde von mir ab. Die Sache mit den anderen Hunden habe ich recht schnell in den Griff bekommen. Seine "Attacken" gegen andere Menschen nicht. Immer wieder gab es Situationen wo er beim Spazierang Männer mit dem Rücken an den Baum stellte. Nur weil sie uns ansprachen, nach dem Weg fragten, oder anderes. Aaron fing auch an Dinge zu bewachen die mir gehörten. Legte ich meine Tasche irgendwohin, legte er sich ohne Aufforderung daneben und bewachte diese. Lange Zeit hatte ich Probleme ihn so zu nehmen wie er war oder daran zu arbeiten. Zu seinem Schutztrieb kam noch die Territorial-Aggression. Sein Revier = kein Eindringling geduldet. Anderen Rüden gegenüber gab es keine Probleme. Selbst die als allgemein bekannten Raufer der Umgebung kuschten sobald sie Aaron nur sahen. Ich spürte das der Hund, der anfangs so treu war, mir entglitt. Der Prozeß ging über Monate. Aaron war mittlerweile 2 Jahre alt. Die Territoriale Aggressivität haben wir erfolgreich reduzieren können. Ich fing an Aaron intensiver zu beschäftigen. Wir gingen viel fährten, machten Gehorsamsübungen und auch im Hause gab es klare Regeln.

Ich dachte oft über Aaron nach, sah in seine treuen Augen und fragte mich immer wieder was ich bloß falsch gemacht hatte. Da war diese intensive Verbindung zwischen uns die ich spürte, aber auch das Etwas was einen Teil blockierte. Dieses Etwas fand ich später heraus. Aaron war unsicher, er sah in mir nicht seine Leitperson. Er konnte sich nicht auf mich verlassen, ich gab ihm keinen Halt in Situationen die für ihn "bedrohend" erschienen. Ich habe diese Dinge nicht wahr genommen, mich nicht in seine hundliche Sicht der Dinge versetzt.

Dazu kommt natürlich auch immer ein Teil der Vererbung, was hat er von seinen Eltern an Verhalten geerbt, was ist in der Prägephase schief gelaufen. Aaron wuchs ohne viel menschlichen Kontakt auf. Er wurde als Welpe getreten. Er war teils isoliert mit seinen Geschwistern im Garten gehalten worden. Es gibt Dinge die man nicht rückgängig machen kann, aber es gibt einen Weg dem Hund zu zeigen dass es anders geht.

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Ein langer Weg


Es war ein sehr langer und sehr harter Weg bis ich es schaffte Aaron Sicherheit zu vermitteln. Ihm klar zu machen dass er immer auf mich zählen kann. Das Männer keine Feinde sind, sie ihn nicht treten werden oder mir was tun. Aaron war von jeher ein Hund mit Leckneurose ;-) alles was er an Haut erwischen konnte wurde abgelutscht. Dies machte ich mir zu Nutze und etablierte das "Kommando" Gib Küssi. Und uns baten sich viele Gelegenheiten. Spaziergänger die plötzlich stehen blieben und sagten, bist Du aber ein schöner schwarzer Hund. Bevor Aaron auch nur ansatzweise reagieren konnte indem er bellend vorpreschte, kam mein Kommando "gib Küssi" und er leckte los. Ich belohnte dieses Verhalten von ihm ganz extrem. Es zeigte Wirkung und Aaron war absolut gelassen sobald uns Männer entgegen kamen.

Er wurde sicherer, er verließ sich auf mich. Wenn ich cool meines Weges ging, ging auch Aaron so. Die Vertrautheit zwischen uns keimte wieder auf und wurde sehr groß. Aaron hat eine sehr deutliche Körpersprache und Mimik. Diese zu lernen, auf ihn einzugehen und im Gegensatz mit meiner Körpersprache und Mimik ihn Dinge zu lehren macht viel Freude. Für mich ist Aaron meine tierische Seelenhälfte und bei einem Blick in seine Augen kann ich in seine Seele blicken.